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            <title type="main">Montag, der  4. Mai 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_01">Von Sekt. Chef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> erhielt ich die gewünschte Geschäfts<lb break="no"/>ordnung, die ich sofort <rs type="person" ref="#per__97543">Kurt</rs> übergab.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_02">Anmerkung <rs type="person" ref="#per__97543">Kurt</rs>:<lb/>
Bitte über das Problem genau berichten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_03">Nach einer kurzen Aussprache mit Redakteur <rs type="person" ref="#per__130518">Diebold</rs> von<lb/>
der Wochenpresse hatte ich beim Finanzminister eine Sitzung,<lb/>
an der <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97423">Fabricius</rs> von der Alpine und ich teilnahmen.<lb/>
Neben der Erhöhung des ÖIG-Bundeshaftungsrahmens im Gesetz<lb/>
ist eine Grenze von 2 Milliarden vorgesehen und die genügt<lb/>
nicht, da die Alpine allein 1,33 Milliarden S benötigt. Die<lb/>
Bundeshaftung hat dem Kapitalsdienstformelrahmen, das heißt,<lb/>
sie kann eigentlich nur zur Hälfte ausgenützt werden, das heißt,<lb/>
die 2 Milliarden Obergrenze sind in Wirklichkeit 1 Milliarde Kapital<lb break="no"/>aufnahme. Diese Kapitaldienstformel wurde von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, als<lb/>
wir noch in Opposition waren, auf langwierigen Verhandlungen mit<lb/>
dem Finanzminister gefunden. Auf Grund dieses Ergebnisses hatte<lb/>
damals die Opposition dann auch die Bundeshaftungsübernahme für<lb/>
die verstaatlichten Betriebe zugestanden. In der ersten Phase<lb/>
der Opposition hatte auf Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> sogar die<lb/>
sozialistische Oppositionspartei gegen Aufnahme von Bundeshaftungen<lb/>
für die verstaatlichten Betriebe gestimmt. Ich hatte damals<lb/>
<pb n="01-0056" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band01/01_1970-05-04_0056.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gegen diese Vorgangsweise größte Bedenken, weil ich mir aus<lb break="no"/>rechnete, wir würden diesen Druck von den Betriebsräten, die dann<lb/>
intervenieren, nicht standhalten. Dies ist dann auch tatsächlich einge<lb break="no"/>treten. und durch die Kapitaldienstformel hatten wir dann die Mög<lb break="no"/>lichkeit zu erklären, damit sei eine Lösung gefunden, die auch<lb/>
von der Opposition akzeptiert werden könnte. <rs type="person" ref="#per__97423">Fabricius</rs> teilte mit,<lb/>
daß Ministerialrat <rs type="person" ref="#per__97794">Öller</rs> vom Finanzministerium eine andere Auf<lb break="no"/>fassung hatte, die meiner Meinung nach <choice><choice><sic>konta legend</sic><corr>(kontra lege?)</corr></choice></choice> ist, doch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird dieses Problem im Hause noch klären.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> wurde der Sitzung deshalb zugezogen, weil die Bergbau<lb break="no"/>förderung für die Graz–Köflacher–Bahn zur Debatte stand.<lb/>
Im Jahre 1969 hatte die GKB 30,6 Mio. S bekommen, inkl.<lb/>
den Bergbau Fohnsdorf benötigte die GKB 60,5 Mio. S im Jahre<lb/>
1970. Die Bergbauförderung wurde gegenüber 1969, wo 60 Mio. S<lb/>
für die Kohle zur Verfügung stand, auf 40,750.000,-- 1970 ge<lb break="no"/>kürzt. Laut Mitteilung meiner Sektion IV sind für 124,9 Mio. S<lb/>
Anträge vorhanden. Die Alpine braucht die Mitteln<lb/>
äußerst dringend, weil bereits die übernommenen 60 Mio. S<lb/>
Kredithaftung für die GKB für Betriebsmittel vollkommen ausge<lb break="no"/>schöpft ist und sie jetzt als Muttergesellschaft neuerdings mit 30 Mio.<lb/>
in der nächsten Aufsichtsratssitzung aufstocken wird. Die CA<lb/>
hat aber angeblich trotz dieser Haftungsübernahme abgelehnt, daß<lb/>
die GKB weitere Kreditmittel zur Verfügung zu stellen. Die Alpine<lb/>
hofft, daß sie aus einem Moratorium anstelle einer Tilgung von ERP<lb/>
Kredite 7 Mio. S erspart und außerdem für die Stilllegung im Tag<lb break="no"/>bau I im Köflacher-Revier 19,5 Mio. S bekommen kann, Damit er<lb break="no"/>reicht sie allerdings nicht die notwendigen Mitteln um eine Investitons<lb break="no"/><pb n="01-0057" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band01/01_1970-05-04_0057.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>programm durchzuführen, das sie dringend benötigt, um<lb/>
die Sicherheit im Bergbau gewährleisten zu können. Die bei<lb/>
der obersten Bergbehörde eingerichtete interministerielle<lb/>
Kommission unter Ministerialrat <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs>, hat der Alpine max.<lb/>
20 – 25 Mio. S zugesagt. Dies wäre weniger als die Alpine 1969,<lb/>
wo sie 30,6 Mio. S erhalten hat, bekommen würde. Das Handels<lb break="no"/>ministerium hat am 10. April 8 Mio. S auf diese 20 – 25 Mio.<lb/>
acontiert. Die Alpine sagte mir folgenden Zahlungsplan: Sie<lb/>
braucht bis am 10. Juni 20 – 25 Mio. um das Urlaubsgeld zahlen<lb/>
zu können inkl. 5 Mio. S für Rechnungen, die dann bereits 3<lb/>
Monate alt sein werden. Am 1 . 9. braucht sie 15 Mio. S und<lb/>
am 10. – 15. Nov. würde sie 17 Mio. für die Weihnachtsremuration<lb/>
benötigen. Ich erklärte die Unterlagen in meinem Haus noch ge<lb break="no"/>nau studieren zu lassen und vor allem für 10. 6. eine weitere<lb/>
Acontierung für die Alpine bereitzustellen,</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_04">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">Otto</rs>:<lb/>
Bitte einen Terminzahlungsplan von oberster Bergbehörde ver<lb break="no"/>langen, inkl. vor allem auch über die Wünsche der anderen Berg<lb break="no"/>baue, nämlich Aufgliederung der 124,9 Mio. S.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_05">Darauf hatte MinRat <rs type="person" ref="#per__136381">Hoffmann</rs> eine Aussprache verlangt, da er<lb/>
sich übergangen fühlte, bei der Errichtung seiner Abteilung unter<lb/>
Minister <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs>. Zu dieser Aussprache hatte ich Dr. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs><lb/>
und MinRat Dr. <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> zugezogen, ebenso Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_06">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">Kurt</rs>:<lb/>
Bitte Vorgang schildern.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_07">Bemerkenswert schien mir bei dieser Aussprache, daß ich, bevor<lb/>
die anderen Herren noch dabei waren, MinRat <rs type="person" ref="#per__136381">Hoffmann</rs> mitteilte,<lb/>
daß ich mich ausschließlich nach fachlichen Gesichtspunkten bei<lb/>
meiner Einteilung der Geschäfte als auch der Dienstreisen, z. B.<lb/>
richten würde, ist deshalb seine Ansuchen nach Tokio zu fahren,<lb/>
ablehne und dafür Dr. <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> schicke, da er im Wirtschaftsbeirat<lb/>
und im Hause die Industriepolitik macht und im OECD-Komitee<lb/>
in Tokio über Industriepolitik verh andelt werden soll. Zu meiner<lb/>
größten Verwunderung war <rs type="person" ref="#per__136381">Hoffmann</rs> damit sehr einverstanden,<lb/>
so daß ich, wenn ich mich nicht getäuscht habe, eine richtige<lb/>
Entscheidung auch nach seinem Standpunkt getroffen habe.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_08">Nach dem finnischen Botschafter <rs type="person" ref="#per__97712">MÄKINEN</rs> kam Redakteur <rs type="person" ref="#per__97479">Graber</rs>.<lb/>
von der "Neuen Zürcher-Zeitung", der gleichzeitig auch Redakteur<lb/>
der Presse ist.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_09">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">Fritz</rs>:<lb/>
Bitte überlege, ob wir nicht diese Besprechungen auch kurz festhalten,<lb/>
um anschließend daran die in den entsprechenden Zeitungen erschienen<lb/>
Ausschnitte bei uns ebenfalls ablegen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_10">Ich versuchte im Laufe des Vormittags mit der Bundeskammer Kontakt<lb/>
herzustellen, was mir auch gelang und bat um eine Aussprache, obwohl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erklärte, <rs type="person">Musil</rs> sei außerhalb Wiens und er wisse nicht ob er<lb/>
heute noch kommen würde. Er hat dann allerdings Musil aufgetrieben<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person">Musil</rs> zu erreichen. Ich ging mit ihnen den Dienstag<lb break="no"/>ministerrat durch und konnte feststellen, daß sie sich hauptsächlich<lb/>
über die Frage der Stellung des unehelichen Kindes und des Erb<lb break="no"/>rechtes am meisten erschüttert zeigten, da sie behaupteten, dies<lb/>
würde für die gewerblicher Wirtschaft von eminenter Bedeutung<lb/>
sein. Nach Auffassung der Bundeskammer würde diese<lb/>
Gleichstellung des unehelichen Kindes mit dem ehelichen Kind<lb/>
bedeuten, daß die reibungslose Übergabe von Betrieben gefährdet<lb/>
werde. Dies müßte deshalb nach ihrer Auffassung unbedingt ge<lb break="no"/>ändert werden. Ich verlangte eine entsprechende Formulierung,<lb/>
da mir mein Haus erklärte, daß es zwar Schwierigkeiten geben<lb/>
würde, aber keinesfalls die Notwendigkeit bestünde, gegen den<lb/>
Gesetzentwurf Stellung zu nehmen,<lb/>
Ich erklärte ich würde versuchen den Justizminister dafür zu<lb/>
gewinnen, die beiden Punkte zurückzustellen, womit die Möglich<lb break="no"/>keit wäre, mit der Interessensvertretung der Bundeskammer noch<lb/>
eine diesbezügliche Besprechung zu führen. Gegen den Gesetzent<lb break="no"/>wurf würde ich mich auf gar keinen Fall aussprechen, da dieses<lb/>
Unrecht nach sozialistischer Auffassung und nach Auffassung aller<lb/>
Frauen unbedingt beseitigt werden müßte. Ich erklärte auch, daß<lb/>
die Frauenlogik in der Gesetzgebungsperiode wesentlich stärker<lb/>
sein wird, als das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist und<lb/>
sich die Bundeskammr mit dieser Tatsache abfinden müßte.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_11">Vom ERP Jahresprogramm das von meinem Haus in Vor<lb break="no"/>besprechungen schon die Zustimmung gefunden hatte, wurde<lb/>
onvseiten der Bundeskammer nur festgehalten, daß die Mittel<lb break="no"/>kredite die nach wie vor 100 Mio. S aus dem Industrie,<lb/>
Gewerbe- und Handelsektor von 650 Mio. bekommen<lb/>
sollen, auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Mein Einwand,<lb/>
da ich in der ERP – Kommission jahrelang tätig war, diese<lb/>
100 Mio. gar nie ausgenützt wurden, veranlaßten <rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Musil</sic></rs>, daß<lb/>
er sich dieses Problem anschauen wird. Tatsächlich hatten<lb/>
wir in den vergangenen ERP Jahren immer wieder letzten Endes<lb/>
aus den Mittelkrediten zum Jahresende Industriefinanzierungen<lb/>
durchführen können, da trotz größter Anstrengung von <rs type="person" ref="#per__97675">Kulhanek</rs><lb/>
das war der Vertreter der Handelskammer und der Gewerbeleuts<lb/>
im ERP-Fonds, eine Ausschöpfung dieser 100 Mio. S nicht möglich<lb/>
war. Den Industriecharakter des ERP-Programmes zu unterstreichen, hatten wir vereinbart,<lb/>
daß die 10 Mio. S Obergrenze, die bisher von der Bundesregierusng<lb/>
immer verlangt wurde, abgeschaffen wird. Nur das Finanzministerium<lb/>
wollte eine solche Obergrenze beibehalten, doch wird dem nicht<lb/>
Rechnung getragen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Musil</sic></rs> erkundigte sich dann auch noch über die Kompetenzgesetze<lb/>
und ich mußte zu meiner größten Verwunderung feststellen, daß<lb/>
es zwar alle anderen Stellen bekommen hatten, nur die Kammern<lb/>
diesen Gesetzentwurf nicht zur Begutachten erhalten hatten.<lb/>
Bezüglich des Forschungsförderungsgesetzes , wo der gewerbliche<lb/>
Forschungsförderungsfonds verankert ist, erklärte ich <rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Musil</sic></rs>,<lb/>
daß ich nach einer Aussprache mit unseren Vertretern in diesem<lb/>
<pb n="01-0061" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band01/01_1970-05-04_0061.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Präsidium keinen großen Wert darauf lege, diese Kompetenz<lb/>
weiter zu behalten. Nach Mitteitung von <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs> von der<lb/>
Arbeiterkammer wird die Arbeit in dem Präsidium zwischen<lb/>
den dort Beteiligten Interessensvertretungen unter Aufsicht<lb/>
der Ministeriellenvertretung durchgeführt. Eine Beein<lb break="no"/>flußung der Projekte ist nicht gegeben. <rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Musil</sic></rs> selbst erklärte,<lb/>
die große Angst, die die Bundeskammer hätte, wäre, daß der<lb/>
Forschungsförderungsfonds den zur Frau Minister <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs><lb/>
ressortiert, dann schlechter dotiert wird werden und das<lb/>
ganze Geld früher oder spsäter dem wissenschaftlichen<lb/>
Förderungsfonds zugeleitet wird. Diese Meinung teilte ich<lb/>
nicht, gingen aber in keine genauere Debatte<lb/>
über diesen Punkt ein.<lb/>
<rs type="person"><sic>Musil</sic></rs> erzählte mir nun zum Abschluß, daß ein Freund von<lb/>
ihm aus Schweden bei ihm war und ihm mitgeteilt hat.<lb/>
daß jetzt die schwedische Sozialdemokratie einen ganz neuen<lb/>
Weg beschreiten wird und zwar die sogenannte neue Gleichheit<lb/>
einzuführen. In ein Programm, das in Kürze von der schwedischen<lb/>
Sozialdemokratischen Partei beschlossen werden sollte, sollte<lb/>
nicht, wie das in der sozialistischen Partei und auch in<lb/>
Österreich bis jetzt Ziel war, jeder die gleichen Chancen erhalten,<lb/>
sondern es wird dort festgehalten, dass Unbegabte aus der Ge<lb break="no"/>sellschaft in Wirklichkeit ausgeschlossen sind und daß jetzt eine<lb/>
neue Gleichheit kommen müßte, das heißt, das Unbegabte<lb/>
ebenfalls ihre Leistungsschwäche ausgeglichen werden müssen,<lb/>
das heißt, egalitär behandelt. Es würde in Zukunft also nicht heissen<lb/>
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oder nicht. Jedem die Gleichheit in jedem Falle und dies durch<lb/>
entsprechende Subventionen und soziale Zuschüssen. Diese<lb/>
Vorgangsweise schockierte <rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Musil</sic></rs> derartig, daß er befürchtete,<lb/>
daß so etwas auch auf Österreich übergreifen würde. Allerdings<lb/>
sagte er mir, daß er bereits festgestellt hat, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht<lb/>
mehr über das schwedisch Sozialdeokratie spricht, sondern<lb/>
immer mehr das schweizer Muster für Österreich als Ziel dar<lb break="no"/>stellt. Er sieht darin einen gewissen Stilwandel und vor allem<lb/>
eine andere Orientierung von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-04_12">Bei der nachmittagigen Ministerratsvorbesprechung verlangte<lb/>
ich bei den Tagesordnungspunkten über uneheliche Kinder und<lb/>
Erbrecht, dass diese von der Tagesordnung abgesetzt werden<lb/>
sollten. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> sprach sich ganz entschieden dagegen aus und<lb/>
ebenfalls meinte <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, wenn einmal eine Begutachtung schon<lb/>
durchgeführt wurde und diese beiden Gesetzentwürfe wurden<lb/>
bereits vor etlichen Jahren begutachtet und immer wieder neu<lb/>
verhandelt, sollten wir keinesfalls einer Absetzung zustimmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> war derselben Meinung und sagte, wenn wir diesen<lb/>
Gesetzentwurf um eine Woche zurückstellen, so wird damit<lb/>
überhaupt nichts erreicht und die andere Seite wird dann wo<lb break="no"/>möglich sagen innerhalb einer Woche hätten wir andere<lb/>
Vorschläge unterbreiten sollen. Dies sei doch unmöglich, da sehe man,<lb/>
daß die Regieung gar nicht ernstlich verhandeln wollte. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
erklärte sich nur bereit, wenn ich mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zu ihm kommen<lb/>
sollte würde er selbstverständlich nach Einbringung im Parlament<lb/>
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Äußerung war für mich vollkommen unakzeptabel, weil<lb/>
ich ja entgegenhalte, daß jeder Minister, wenn er eine<lb/>
Interessensgruppe von ihm etwas will, jederzeit, meiner<lb/>
Meinung nach mit der Interessensgruppe verhandeln muß.<lb/>
Da aber auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> keinen Grund sah eine Vertagung zu<lb break="no"/>zustimmen, schien die ganze Angelegenheit sehr ver<lb break="no"/>fahren. In diesem Moment meldete sich <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> zu Wort<lb/>
und erklärte, daß auch in der monocoloren schwarzen<lb/>
Regierung, wenn der Gewerkschaftsbund einen diesbe<lb break="no"/>züglichen Wünsch geäußert hat, dies auch tatsächlich<lb/>
dann von der monocoloren Regierung berücksichtigt wurde,<lb/>
deshalb meinen Antrag zu unterstützen. Da der Bundesge<lb break="no"/>setzentwurf über die Rechtsstellung des unehelichen<lb/>
Kindes bereits in der 1. Legislaturperiode, das heißt,<lb/>
in der monocoloren Alleinregierungszeit von <rs type="person" ref="#per__97635">Klesatzky</rs>,<lb/>
durch die Regierung gegangen war und im Nationalrat ein<lb break="no"/>gebracht, wo er allerdings nicht verabschiedet wurde, kamen<lb/>
wir überein, daß dieser Gesetzentwurf ebenfalls morgens ver<lb break="no"/>abschiedet wird.<lb/>
Zur Argumentation <rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Musils</sic></rs>, daß uneheliche Kinder dann, wenn<lb/>
sie in das Erbrecht eintreten die ehelichen Kinder verdrängen<lb/>
könnte n oder Ungereimtheiten bei der Betriebsfüshrung entstehen<lb/>
würden, entkräftete <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> in dem er sagte, dies sei im Gesetz<lb break="no"/>entwurf ganz anders geregelt, wo nämlich ein eheliches Kind<lb/>
hier ist könnte kein uneheliches Kind entsprechenden Betriebsantritt<lb/>
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gesetzlichen Erbrechtes wird von <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> morgen 1 Woche<lb/>
zurückgestellt. Er wird dies auch in der Pressekonferenz,<lb/>
die er abhält, mitteilen, um eine Aussprache zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Musil</sic></rs> und <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> herbeizu<lb break="no"/>führen. Die Aussprache soll Freitag, 8.00 Uhr, bei ihm<lb/>
durchgeführt werden. Die Schwierigkeiten die ich kommen<lb/>
sehe bestehen hauptsächlich darin, daß unserer Auffassung<lb/>
wir eine über dem Ressort stehende allgemeine Politik<lb/>
machen sollen, während dem die Interessensvertretungen<lb/>
aber insbesondere auch die Beamtenschaft noch immer im<lb/>
Ressortdenken verhaftet ist und natürlich die übergeordneten<lb/>
Gesichtspunkte nicht wahrnehmen wird wollen. Dies wird<lb/>
wahrscheinlich einer der größten Hauptschwierigkeiten<lb/>
sein, die uns in Zukunft erwarten.</p>
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               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
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               <persName><surname>Brandstätter</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>GS Präs.konf. LWK AR Verbund</occupation>
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               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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