<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19700430.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19700429.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19700501.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
  <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Donnerstag, der 30. April 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Matthias Trinkaus</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band01_1970-04-30</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1970-04-30">Donnerstag, 30. April 1970</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2016-03-02">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-02-27" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-02-27" who="acdh:ds">removed empty back element by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
  <text xml:base="http://192.168.0.9/staribacher/src/scans/Band01/">
      <body>
         <pb n="01-0047" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band01/01_1970-04-30_0047.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-30_01">Zur Eröffnung der Grazer Messe hatte ich nur eine Einladung<lb/>
bekommen, ohne daß vorgesehen war, daß ich dort auch eine<lb/>
Ansprache halten sollte. Bisher hatten immer der Handelsmin<lb break="no"/>ister oder der Finanzminister eine solche Ansprache gehalten.<lb/>
Ich hatte deshalb dem Büro den Auftrag gegeben nur mitzuteilen,<lb/>
daß ich eine Begrüßungsadresse schicken würde. Auf Intervention<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> erklärte ich mich bereit, dann doch zur Grazer Messe<lb/>
zu fahren, wenn ich eine entsprechende Sprechmöglichkeit bekomme.<lb/>
Dies ist letztenendes auch gelungen und ich wurde zwischen den Er<lb break="no"/>klärungen des Landeshauptmann <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> und der Eröffnungsrede<lb/>
des Bundespräsidenten eingeschoben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-30_02">Beim Empfang auf der Burg vom Landeshauptmann versuchte<lb/>
ich bereits mit den Handelskammer- und Industriellenvereinigungs<lb break="no"/>leuten Kontakt zu bekommen. Leider war aber keiner anwesend.<lb/>
Bei der Messeeröffnung konnte ich dann den Grund feststellen, warum ich<lb/>
scheinbar nicht reden sollte. <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs>, der eine sehr gut vorbe<lb break="no"/>reitete Rede las, kam darauf zu sprechen, daß sich die<lb/>
politische Landschaft geändert hätte und man jetzt insbesondere<lb/>
der Entwicklung genaues Augenmerk zuwenden müßte. Besonders<lb/>
der Schutz des Eigentums müßte gesichert werden. Ich hatte in<lb/>
meiner verhältnismäßig sehr kurzen Rede Gelegenheit diesen<lb/>
<pb n="01-0048" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band01/01_1970-04-30_0048.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Angriff sofort zu parieren in dem ich erklärte, auch für uns<lb/>
steht der Schutz des Eigentums außer jeder Diskussion.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-30_03">Hier hatte ich als einziger von den Begrüßungsansprachen einen<lb/>
Beifall, wahrscheinlich von den sozialistischen Zuhörern erhalten.<lb/>
Nach Beendigung meiner Rede mußte ich mich wieder neben den Landes<lb break="no"/>hauptmann setzen und zu meiner größten Verwunderung spendete<lb/>
er mir ein ganz großes Lob in dem er sagte "Sehr gut gemacht,<lb/>
echt Krainerisch". lm folgenden hatte ich Gelegenheit beim Durch<lb break="no"/>gang der Messe die Herren der Industriellenvereinigung und der<lb/>
Handelskammer kennen zu lernen und mit ihnen Gespräche zu<lb/>
führen. Zu meiner größten Verwunderung waren sie sehr<lb/>
erfreut über meine Erklärung bezüglich des Eigentums, denn<lb/>
sie sagten , vom Landeshauptmann hätten sie sich eine positive<lb/>
Stellungnahme dazu erwartet. Scheinbar aber nicht von der so<lb break="no"/>zialistischens Regierung. Ich glaube es ist mir gelungen, sie<lb/>
einigermaßen zu beruhigen. Da ich mittags noch ein Pressegespäch<lb/>
im Steirerhof abführte, mußte ich mich vorzeitig vom Bundes<lb break="no"/>präsidenten verabschieden, der mir zu meiner größten Überraschung<lb/>
mitteilte, er hätte gerne gesehen, wenn ich mit ihm in seinem Salon<lb break="no"/>wagen nach Wien zurückgefahren wäre, um mit mir 1 Stunde zu<lb/>
debattieren. Ich mußte mich bei ihm entschuldigen, da ich um 16.00<lb/>
Uhr in Wien einen Termin hatte. und habe mit Kabinettsdirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97399">Drescher</rs> ausgemacht, daß, sobald der Herr Bundespräsident Zeit<lb/>
hat, ich jederzeit zu einer Aussprache zur Verfügung stehe. Ich<lb/>
mußte dann noch die Flecktierschau von Präsident <rs type="person" ref="#per__149055">Wallner</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> seinem<lb/>
Zuchtverband besichtigen und anschließend mit Redakteur <rs type="person" ref="#per__134222">Riedler</rs><lb/>
<pb n="01-0049" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band01/01_1970-04-30_0049.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>von der "Neuen Zeit" auch den Druckereistand von Leykam be<lb break="no"/>sichtigen. Er ärgerte sieh maßlos weil, als wir dort hin kamen,<lb/>
der vorgesehene Fotograf nicht vorhanden war, ich aber keine<lb/>
Zeit mehr hatte zu warten, da ich die Pressegespräche im Steirer<lb break="no"/>hof führen mußte.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-30_04">Anmerkung für Fritz:<lb/>
Eventuell Pressegespräch schildern, von mir aus nicht notwendig.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-30_05">Nach dem Pressegespräch fuhren wir unverzüglich nach Wien,<lb/>
da ich um 16.00 das wirtschaftspolitische Komitee der SPÖ<lb/>
einberufen hatte.<lb/>
Zu unserer größten Verwunderung ist unser amerikaniseher<lb/>
Schlitten knapp vor Vösendorf ausgefallen und der ARBÖ<lb/>
mußte ihn abschleppen. Wir selbst wurden durch die Gendarmerie<lb/>
nach Wien gebracht, so daß ich mit einiger Verspätung doch noch<lb/>
zur Sitzung kommen konnte.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-30_06">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">Otto</rs>:<lb/>
Bitte die Sitzsng schildern. Ich glaube, deren Verlauf und Inhalt ist<lb/>
wichtig. da ich vom Anfang an nicht anwesend war und nicht weiß,<lb/>
wer das Papier vorgelegt hat. (auch dieses mitteilen).</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-30_07">Abends fand der Fackelzug der sozialistischen Jugend Wiens statt.<lb/>
Gott sei dank bewegte er sich derzeit nur vomn Heldenplatz bis zum<lb/>
Rathaus. Ich sage deshalb Gott sei dank, weil in den vergangenen Jahren<lb/>
<pb n="01-0050" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band01/01_1970-04-30_0050.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>immer wieder ein Anmarsch zum Sammelplatz Schwarzenbergplatz<lb/>
von den einzelnen Bezirken sich meist wüste Elemente, meistens<lb/>
ganze Platten, in den Zug eingeschlichen hatten, und dadurch der<lb/>
Eindruck entstand, als bestehe die sozialistische Jugend nur aus<lb/>
lauter Rowdis und Gammlern und sonstigen unseriösen Elementen.</p>
         </div>
      <div type="back"/></body>
    
  <back><listPerson><person xml:id="per__134222">
               <persName type="label">Riedler, Josef</persName>
               <persName><surname>Riedler</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>CR "Neue Zeit"</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97818">
               <persName type="label">Pittermann, Bruno</persName>
               <persName><surname>Pittermann</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118761595</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97664">
               <persName type="label">Krainer, Josef sen.</persName>
               <persName><surname>Krainer</surname><forename>Josef sen.</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>