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            <title type="main">Dienstag, der 28. April 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-28_01">Beim Raufgehen in mein Büro traf ich einen Personalvertreter den<lb/>
ich erkannte, da er schwer kriegsbeschädigt ist.und mit Krücken<lb/>
geht. Ich ersuchte ihn er möge die Personalvertretung zu mir<lb/>
bitten, ich möchte mit ihnen sprechen. Sekt. Chef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs><lb/>
hatte mir gestern abends noch zwei Personalakte gegeben.<lb/>
Es handelt sich um eine Pragmatisierung in der Kraftfahrzeugkon<lb break="no"/>trolle von untergeordneten Beamten. Ich wollte alle Personalange<lb break="no"/>legenheiten mit dem Personalvertretern besprechen und nützte da<lb break="no"/>her gleich diese sGelegenheit. Da bei der ersten Vorsprache immer<lb/>
vier Leute bei mir waren, hatte ich angenommen, daß auch nur eine<lb/>
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Überrasschung erschienen dann 12 Personen, was mich aber nicht<lb/>
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wie sie sich zur Anstellung des Herrn Dr. <rs type="person">Bohr</rs> stellen- Ich bemerkte,<lb/>
daß sie i sehr überrascht waren, daß ich unmittelbar Stellungnahmen<lb/>
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Verzögerung sofort einen diesbezüglichen Bescheid kriegen könnte.<lb/>
Anschließend machte ich sie darauf aufmerksam, daß es mir notwendig<lb/>
erschien, für die Beschäftigten des Hauses eine Verpflegung zu be<lb break="no"/>schaffen, da ich ja wußte, daß, wenn der Küchenbetrieb jahrelang in<lb/>
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bauliche Anlagen in Höhe von 3,7 Mio. S d notwendig. lch erklärte,<lb/>
daß man versuchen müßte, wenn diese Beträge nicht aufgebracht<lb/>
werden können, werden in einemkleineren Umfang den Küchenbetrieb<lb/>
zu beginnen, da diese Mittel natürlich als überhöht zu bezeichnen<lb/>
sind und in den Budgets der vier Ministerien kaum unterge<lb break="no"/>bracht werden können. Ich hatte ja mit den Ministern bereits Be<lb break="no"/>sprechungen aufgenommen, denn die erste Information lautet:<lb/>
Es fehlen nur S 200.000,-- die der Krankenkasse bar zu zahlen seinen.<lb/>
von dem neuen Pächter. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> machte eine Bemerkung, daß das Geld<lb/>
sicher aufgetrieben werden könnte, gegebenefalls wäre es<lb/>
zum Beispiel möglich, aus dem Mineralöltransportaus<lb break="no"/>gleichfonds etwas abzuzweigen. Für mich war diese Mitteilung mehr<lb/>
als überraschend, da ich die Budgetdetails noch nicht sehr genau<lb/>
kenne und diese Bemerkung er ja nur zu seinen anderen Kollegen<lb/>
machte, hatte ich sie sofort laut wiederholen lassen, damit ich Ge<lb break="no"/>legenheit habe bei der Budgetbesprechung auf diese Bemerkung zurück<lb break="no"/>zukommen. Die wichtigste dAufgabe für mich wird ja sein, in die<lb/>
Details einzudringen, das heißt, die stillen Reserven aufzudecken,<lb/>
die scheinbar doch fast in jedem Budget, auch in unserem Haus vorhanden<lb/>
sind. Durch die lange Aussprache mit der Personalvertretung kam<lb/>
ich im Bundesrat zu spät und die Regierungserklärung hatte bereits<lb/>
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angehört, d. h. die ÖVP hatte erkannt, daß sie mit den gestrigen<lb/>
Zwischenrufen und Wirbel ein negatives Ergebnis erzielte. Die Presse<lb/>
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Behauptung von <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, gestern bei einer Besprechung, daß dies<lb/>
gelenkt sei, daß also z. B. <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> ganz absichtlich die<lb/>
Radikalen in seiner Partei z. B. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97572">Hubalek</rs> und wie sie alle<lb/>
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Hand haben. Ich bezweifelte dies und erklärte gestern<lb/>
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nicht mehr im Stande sind, ihre Leute in der Hand zu haben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-28_02">Die Ministerratssitzung war vollkommen uninteressant, da die<lb/>
Tagesordnung ja keinerlei wie immer geartete Punkte beinhaltete.<lb/>
Zu unserer größten Überraschung haben <rs type="person" ref="#per__97450">Freisler</rs> unter Allfälliges<lb/>
mündlich berichtet, daß Minister , heißt es auf der Tagesordnung,<lb/>
mit einer präsanten Frage, die in der Vorbesprechung von ihm<lb/>
überhaupt nicht erwähnt wurde. Er fragte an, wie das Budget nun<lb/>
eigentliche ressortmäßig zu erstellen sei. Ob es also nach den Vor<lb break="no"/>schlägen die Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> gemacht hatte, nämlich daß<lb/>
die Forderungen an das Budget von jedem Ressort angemeldet werden<lb/>
oder ob mein Vorschlag angenommen wird, wonach zuerst <choice><choice><sic>Hahn an</sic><corr>anhand?</corr></choice></choice><lb/>
der Budgets der einzelnen Ressorts abzusprechen ist und dann die<lb/>
Ressorts versuchen müssen, in diesem Rahmen sich zu bewegen.<lb/>
Ich hatte seinerzeit diesen Vorschlag gemacht, weil ich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und<lb/>
unsere Genossen aber auch natürlich <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> davon überzeugen<lb/>
wollte, daß es für eine Regierung einen schlechten Eindruck macht,<lb/>
wenn alle Ressorts irrsinnige Forderung an den Finanzminister stellen<lb/>
und dann der Finanzminister natürlich in Folge der unzulänglichen<lb/>
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Debatte des Nationalrates würde es dann immer heißen,<lb/>
warum hat sich der und der Minister nicht durchgesetzt oder<lb/>
warum haben die einen Minister beim Finanzminister mehr er<lb break="no"/>reicht als wie ein anderer. <rs type="person">Freisler</rs> führte weiters aus, daß<lb/>
er bekanntlicherweise von der einen Wehrmilliarde für 1971 jetzt<lb/>
bereits Bestellungen durchführen müßte und zwar für den Rest<lb/>
der noch zur Verfügung steht und <rs type="person">Heilingsetzer</rs> ihm erklärt hat,<lb/>
daß keinerlei weitere Verträge abgeschlossen werden sollten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> parierte diese Frage sehr geschickt, in dem er er<lb break="no"/>klärte "da müßten doch zuerst einmal bilaterale Besprechungen<lb/>
zwischen den Ministern und dem Finanzminister stattfinden"<lb/>
und er würde das anregen und schloß diesen Punkt sofort ab.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-28_03">Nach der Sitzung begab ich, aber insbesondere Innenminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
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vom Militär gekommen ist und sehr viel davon versteht, daß es un<lb break="no"/>möglich ist, ohne daß vorher in der Ministerratsvorbesprechung<lb/>
dieses Problem erörtert wird, auch nur die Spur einer Diskussion<lb/>
im Ministerrat durchgeführt werden kann, da dies alles ins Protokoll<lb/>
aufgenommen wird. Dies sei keine poetische Frage,sondern eine<lb/>
zweckmäßige Frage die ndur so gehandhabt werden kann,. Als Bei<lb break="no"/>spiel erzählte er das gute Bonmot, daß so eine<lb/>
unter Vorsitz von Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> geführte Ministerratssitzung<lb/>
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wo 30 oder mehr Punkte zur Diskussion standen, max. eine 1/2 Stunde<lb/>
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Ministerratsitzung auch wenn ganz wenige Punkte waren, bis<lb/>
zu 2 Stunden dauerten, weil dort bekanntlicherweise immer viel<lb/>
herumgeredet wurde. Auf diese Situation anspielend erklärten<lb/>
die Journalisten damals, wenn eine Ministerratssitzung bei <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs><lb/>
länger wie eine 1/2 Stunde dauerte, was ist in dem Ministerrat<lb/>
los gewesen. Was hat die Regierung hier nicht lösen können.<lb/>
Bei <rs type="person" ref="#per__97478">Gorbach</rs> dagegen sagte man immer, wenn eine Sitzung<lb/>
kürzer wie 2 Stunden gedauert hat was war da los, warum ist<lb/>
der Ministerrat schon zu Ende?</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-28_04">Beim Mittagessen in eine der Kammer verständigte ich <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs>,<lb/>
daß <rs type="person">Wohlgemuth</rs> wahrscheinlich selbst bei der Besprechung über<lb/>
die Richtlinien für die Bürges mit Vorschlägen kommen würde.<lb/>
Er selbst sollte unumwunden die Forderungen der Arbeiterkammer<lb/>
nicht nur vortragen, sondern auch<lb/>
mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln vertreten. Ich würde<lb/>
dann, wenn ich natürlich die Stellungnahme von <rs type="person" ref="#per__97649">Korinek</rs> und Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs> von der Bundeshandelskammer würden dann ihre Vorschläge<lb/>
auch unterbreiten. Wenn es zu keiner Einigung kommen würde,<lb/>
dann müßte ich mich mit Min. Rat <rs type="person">Wohlgemuth</rs> um eine Lösung<lb/>
bemühen. Mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hatte ich vereinbart, daß ich nur dann<lb/>
ein Budgetüberschreitungsgesetz -einbringen würde, wenn die<lb/>
entsprechenden neuen Richtlinien der Bürges-Aktion für uns zweck<lb break="no"/>mäßig sind. In<lb/>
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die Ausschußbesetzungen besprochen, wobei von seitens des<lb/>
Klubpräsidiums vorgeschlagen wurde, in jedem Ausschuß sollten<lb/>
sich 1 – 2 oder 3 Sprecher ununterbrochen mit dem Minister ins<lb/>
Einvernehmen setzen, um entsprechendes Unterlagenmaterial<lb/>
zu bekommen und jederzeit einsatzbereit zu sein . Wieweit sich<lb/>
der Plan verwirklichen läßt, kann ich jetzt noch nicht sagen.<lb/>
Ich hatte schon vor Jahrzehnten, d als ich ins Parlament kam,<lb/>
vorgeschlagen, unverzüglich Arbeitsgruppen zu bilden, wo jedes<lb/>
Ressort diese Arbeitsmöglihckeiten haben sollte, das heißt, in<lb/>
der Koalitionsregierung nicht nur bei unseren Ministern, sondern<lb/>
auch bei den ÖVP – Ministern versucht werden sollte, Arbeits<lb break="no"/>teams für jedes Ressort aufzustellen. Dieser Plan wird sich jetzt<lb/>
hoffentlich verwirklichen lassen.<lb/>
Unter allfälligen erklärte <rs type="person" ref="#per__97828">Pölz</rs> daß er bei seinen Funktionären draußen<lb/>
immer wieder feststellen muß, es handelt sich um Bürgermeister in<lb/>
den Ortschaften, daß diese keinerlei Wert darauf legen daß die<lb/>
Steuersenkung durchgeführt , sondern daß man das Geld<lb/>
eher dazu verwenden sollte um größere Schulbauten und sonstige<lb/>
Gemeindenotwendigkeiten zu befriedigen. Nach seiner Auffassung<lb/>
würden die 30 oder 40,-- die vielleicht monatlich bei der Steuer<lb break="no"/>senkung herauskommen, überhaupt nicht interessant sein. Da noch<lb/>
keinerlei endgültige Kurve bezüglich der Steuer festgelegt war, kann<lb/>
man noch nicht sagen, welche Steuerersparnisse wirklich zu ver<lb break="no"/>zeichnen sind. Die 10 %ige Sonderabgabe aber mit Ende des Jahres<lb/>
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werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> meldete sich und erklärte, daß junge Abgeordneten<lb break="no"/>kandidaten vor der Wahl erklärten, sie würden unverzüglich<lb/>
einen Initiativantrag bei Zusammentritt des Parlamentes<lb/>
einbringen und er fragte nun wie das nun vorwärtsgehen sollte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwidere ihm mit Recht, daß dies ein bißchen zu<lb/>
überstürzt geschehen sei, denn selbstverständlich könnte eine<lb/>
Wehrdienstzeitverkürzung nicht von heute auf morgen durchge<lb break="no"/>führt werden, sondern dafür müßten zuerst organisatorische<lb/>
Vorbereitungen und legislative Maßnahmen erfolgen. Zu diesem<lb/>
Zweck wird jetzt der Verteidigungsminister eine aus den jüngeren<lb/>
Generationen und Parteien und Jugendorganisationen zusammenge<lb break="no"/>setzte Kommission einsetzen, die entsprechende Vorschläge unver<lb break="no"/>züglich zur erarbeiten hat, sodaß sie im Herbst dann diesbezüglichen<lb/>
Anträge und Gesetzesbeschlüsse im Nationalrat gefaßt werden können,.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-28_05">Um 17.00 Uhr hatte ich eine Aussprache mit den Sektionsleitern,<lb/>
wo ich Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> vorstellte und eine Pun.ktation um die preispolitischen<lb/>
Maßnahmen in nächster Zeit zu besprechen. Bekanntlicherweise<lb/>
wird sich die Paritätische Kommission mit einer Grundsatzdis<lb break="no"/>kussion am nächsten Mittwoch mit dieser Entwicklung auseinander<lb break="no"/>setzen. Ich erklärte, daß ich bis Montag eine diesbezügliche Unter<lb break="no"/>lage mit Stellungnahme erbitte und kündigte gleichzeitig an, daß ich<lb/>
auch mit der Bundeshandelskammer über dieses Problem sprechen<lb/>
werde. Leider konnte ich mit Dr. <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> von der Bundes<lb break="no"/><pb n="01-0038" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band01/01_1970-04-28_0038.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kammer nicht mehr Kontakt aufnehmen, da er bereits nach Innsbruck<lb/>
abgereist ist. Ich veranlaßte, daß sein Büro mich sofort mit<lb/>
ihm verbindet, wenn er von Innsbruck zurückkommt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-28_06">Abends traf ich Kommerzialrat <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> auf der Landstraße<lb/>
und erzählte ihm die bisherige Entwicklung. Er teilte mir mit, daß<lb/>
bei der Gesamtvorstandssitzung des Freien Wirtschaftsverbandes<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97308">Abt</rs> von Niederösterreich über meine bisherige Tätigkeit auch<lb/>
gesprochen hatte und insbesondere sehr positiv herausgestrichen hat,<lb/>
meine erste Aussprache mit den Delegierten der NÖ. Handelskammer<lb/>
des Freien Wirtschaftsverbandes. Zum Schluß bemerkte er allerdings,<lb/>
daß es traurig ist, daß kein Mann des Freien Wirtschaftsverbandes<lb/>
diesen Posten erhalten hätte. <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> erklärte mir er hätte sich<lb/>
gegen diese Meinung sofort gewendet und erklärt, es gibt im Freien<lb/>
Wirtschaftsverband überhaupt niemand der im Stande wäre, diese<lb/>
Position einzunehmen. Denn selbst <rs type="person" ref="#per__97308">Abt</rs> sagte er, müßte er innerhalb<lb/>
der Partei entsprechende Verankerung kriegen. Da ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116918">Reis</rs> nach Hause geschickt hatte und erklärte ich würde ihn dann<lb/>
anrufen bis die Sitzung zu Ende war, kam er um 10.00 Uhr mit dem<lb/>
Dienstwagen ins Büro, tauschte ihn gegen seinen Privatwagen aus<lb/>
und da er in meiner Nähe wohnte, fahren wir bekanntlicherweise<lb/>
immer mit seinem Privatwagen, damit er nicht dann<lb/>
neuerdings mit dem amerikanischen Schlitten ins Büro fahren muß<lb/>
und von dort dann erst wieder mit seinem privaten Wagen nach Hause.<lb/>
Wir hatten bereits letztesmal bemerkt, daß dieser Wagen mit Flankerln<lb/>
ungeheuer bedeckt ist. Jetzt hatte <rs type="person">Reif</rs> herausbekommen, daß<lb/>
Montag und Dienstag starke Verbrennungen in unserem Ministerium<lb/>
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Wir konnten natürlich nicht feststellen, um welche Akte es sich<lb/>
handelt. Ein einziges Exemplar, das uns in die Hände gefallen<lb/>
ist, ist ein sehr uninteressanter Akt, nämlich ein dechiffriertes<lb/>
Fernschreiben aus dem Ausland an das Handelsministerium, wo<lb/>
eine Mitteilung über einen Verhandlungsverlauf gegeben wurde.<lb/>
Dieser Akt stammt aus dem Jahre 1964. Es ist jetzt sehr<lb/>
schwer festzustellen, ob nur alte Akte, die uninteressant sind,<lb/>
verbrannt werden, oder ob es sich vielleicht auch um interessante<lb/>
neuere Akte handelt. Ich werde das nächsten Tag sofort mit<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> besprechen. Dr. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, den ich angerufen hatte, konnte<lb/>
sich auch kein genaues Bild machen. Wir können eine solche Sache<lb/>
keinesfalls aufziehen, denn sonst geht es uns so wie zum Beispiel<lb/>
einmal der ÖVP in der Arbeiterkammer, wo bekanntlicherweise<lb/>
der Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97404">Eberhard</rs> bei der 1. Sitzung nur das Wort ergriff,<lb/>
worauf am nächsten Tag bei der nächsten Sitzung das Protokoll<lb/>
vom ÖAAB beanständet wurde, weil dort gestanden ist, VP. <rs type="person">Eberhard</rs>.<lb/>
Die ÖVP-Vertreter glaubten es handle sich hier um eine Parteibezeichnung,<lb/>
nä,mlich Volkparteiler <rs type="person">Eberhard</rs>,. In Wirklichkeit war es nichts anderes<lb/>
als wie eine Abkürzung für Vizepräsident.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-04-28_07">Um 22.30 Uhr rief mich noch Sekr. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> von den Lebensmittel<lb break="no"/>arbeitern an und teilte mir mit, daß sie die Fischindustrie mit 9,5 %<lb/>
abgeschlossen haben. In Wirklichkeit wollte er mich informieren, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> einen Zusammenbruch erlitten hatte. <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> mußte sich<lb/>
Klub für <rs type="person" ref="#per__97714">Maleta</rs> gegen die Radikalinsky scheinbar so aufregen,<lb/>
daß er über 1 Std. bewußtlos war und <rs type="person" ref="#per__140104">Fellinger</rs>, wo er hintransportiert<lb/>
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Mitteilung sofort Genossen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fragte<lb/>
mich ob ich irgendwelche Maßnahmen gegen die Preisentwicklung<lb/>
treffen oder vorschlagen könnte. Ich erzählte ihm, daß wir im<lb/>
Ressort eine diesbezügliche Arbeit vorgelegt haben und ich ent<lb break="no"/>sprechende Vorschläge für die nächste Paritätische Kommission<lb/>
vorbereite. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, nach seiner Auffassung müßte die<lb/>
Regierung solche Maßnahmen setzen. Ich sagte ihm, daß diese<lb/>
Vorgangsweise sehr unzweckmäßig sei, denn es könnten nur wirk<lb break="no"/>lich zweckmäßige Maßnahmen zustandekommen, wenn gerecht<lb break="no"/>fertigt auch die Bundeskammer davon überzeugt wird.<lb/>
Diese Argumentation von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bestätigt mir, daß er glaubt,<lb/>
alles in die Regierung ziehen zu können. Diese Meinung teile<lb/>
ich keineswegs. Mir ist es jetzt auch erklärlich, warum <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs><lb/>
bei der Klubbesprechung zu mir kam und meinte, man müßte un<lb break="no"/>verzüglich wieder das Verbändekomitee einberufen. Das Verbände<lb break="no"/>komitee wurde seinerzeit von <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> in sein Ministerium gebeten,<lb/>
das heißt, alle Interessensvertretungen inkl. Industriellenver<lb break="no"/>einigung, freier Berufe, usw. Dieses Verbändekomitee sollte dem<lb/>
Finanzminister die Möglichkeit geben, außerhalb der Paritätischen<lb/>
Kommission, allerdings meistens i mit denselben Leuten, einen<lb/>
entsprechenden Kontakt aufzunehmen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und ich sind dagegen<lb/>
der Meinung, daß diese zusätzliche Möglichkeit nicht notwendig<lb/>
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werden. Wir sehen w hier eine bessere Basis, um die ent<lb break="no"/>sprechende Entwicklung in Österreich auf diesem Sektor auch<lb/>
tatsächlich zu beeinflussen. Die auf Grund der derzeitigen<lb/>
Gesetzeslage der Regierung zur Verfügung stehenden Maßnahmen<lb/>
sind sehr gering und es kann daher nur auf freiwilliger Basis ge<lb break="no"/>hofft werden, daß man die Bundeskammer und die<lb/>
Landwirtschaftskammer von Mfaßnahmen überzeugt, die dann<lb/>
auch selbstverständlich getroffen werden müßten. Ich sehe in<lb/>
dieser Gegenteiligen Auffassung eine gewisse Schwierigkeit und<lb/>
werde mich bemühen, diese in der nächsten Zeit aus der<lb/>
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